Eine neue tragbare Anlage

Das Prinzip der portablen Lichtschranke hat sich seit 15 Jahren hervorragend in der Praxis bewährt. Obwohl für Flugfotos gedacht, kann die Anlage aber auch für statische Objekte eingesetzt werden. Ob mit oder ohne Blitz, das Foto ist dank der Lichtschranke immer perfekt punktscharf. Gerade bei Flugfotos stellte sich aber heraus, daß sie zwar für kleine Insekten ideal geeignet ist, nicht aber für größere. Der Grund liegt im »Bildfenster«, das mit ca. 6x4 cm² recht klein ist. Diese Größe kommt nicht von ungefähr, sie resultiert direkt aus den Linsengleichungen 
 
wobei ß der Abbildungsmaßstab, s die Gegenstandsweite, s' die Bildweite und f die Brennweite ist (gibt man probeweise ß=0 für Unendlich ein, erhält man wie erwartet s'=f und s=∞, für ß=1 ergibt sich s=s'=2f).
Limitierender Faktor für den realen Aufbau ist die Bildweite s', die von der Auszugsverlängerung des Zentralverschlusses plus Auflagemaß der Kamera vorgegeben wird. Im Falle einer Nikon-DSLR mit dem Auflagemaß 46,5mm (für die das Rig ursprünglich ausgelegt war), einer Auszugsverlängerung des Verschlusses von 55mm und 10mm durch das Objektiv kommen wir auf eine Bildweite von 111,5mm. Mit f=80mm ergibt sich ein Abbildungsmaßstab ß≈0,4 und s=280mm. Für einem APS-C-Sensor resultiert das in einer Bildbreite von 23,6mm/0,4=59mm und einer Bildhöhe von 15,8/0,4=39,5mm. Die einfachste Lösung für ein größeres Bildfeld wäre natürlich eine Kamera mit Kleinbild-Sensor. Auf »einem Schlag« würde sich das Bildfeld auf ca. 6x9cm² vergrößern, ohne daß irgendetwas an der Konstruktion geändert werden müßte.
Für den angedachten Einsatzbereich ist das aber immer noch etwas wenig, so daß nach einem anderen Weg gesucht wurde. Der Einsatz einer kürzeren Brennweite war im Falle einer Nikon-DSLR mit ihrem großen Auf­lagemaß von 46,5mm nicht möglich. Mit dem Einzug der spiegellosen Kameras mit ihrem viel kleineren Auflagemaß hat sich die Situation aber grundlegend geändert.

Eine neue Konstruktion sollte von diesen Möglichkeiten profitieren. Wichtigste Änderung war ein im 3D-Drucker hergestelltes Gehäuse für den PQS-Verschluß, das auf minimale Auszugsverlängerung optimiert wurde. Zusammen mit dem kleinen Auflagemaß der A6000 von nur noch 18mm wurde damit der Einsatz eines Objektivs mit 60mm Brennweite möglich. Der resultierende Abbildungsmaßstab lag bei ß=0,2, womit sich mit einem APS-C-Sensor das Bildfeld in Breite und Höhe verdoppelte. Der Blick von oben zeigt den Unterschied:

Rechts die »alte« Konstruktion, links die neue. Obwohl die Gesamtbreite gleich blieb, hat sich die Bildbreite verdoppelt. Um Gewicht zu sparen, wurde auf die acht Mignon-Akkus für die beiden Blitzgeräte verzichtet. Stattdessen werden diese aus dem 12V-Akkupack mitversorgt. Eine kleine und leichte Elektronik übernimmt die verlustarme »Halbierung« der Versorgungsspannung von 12V auf 6V.
Insgesamt reduziert sich das Gewicht von 3400g auf 2975g, eine Ersparnis von 425g.

 

buck-regulator to replace 8 NiMH-cells Ein Step-Down-Regler liefert die 7A beim gleichzeitigen Start beider Blitzgeräte.

Der halbierte Abbildungsmaßstab resultierte im »Gewinn« einer Blendenstufe. Während bisher Bl. 11 und Teilleistungsstufe 1/128 der Blitze korrekt war, konnte nun die Leistung  auf die letzte Stufe 1/256 reduziert werden. Womit natürlich auch die Blitzdauer auf nur noch 20µs sank.

Die neue Anlage wurde an Heuschrecken und Schmetterlingshaften getestet. Durch das viermal größere Bildfeld waren wesentlich weniger Hüpfer »angeschnitten« als vorher und auch die Schmetterlingshafte paßten sehr gut ins Bildfeld. An die Anlage kann aber nur die Sony A6000 angesetzt werden, und das auch nur mit einem Abstand von 1mm zwischen Griffstück und PQS-Gehäuse. Die EOS M6 II stößt mit ihrem vorgezogenen Gehäuse neben dem Auslöser ganz knapp an den Zentralverschluß an.